check in!
Schauspielwissen für gelingende Transformation:
Meistens dreht man irgendwo. An einem anderen Ort. Dann wohnt man fremd. Und steigt früh morgens ungeschminkt und verschlafen in ein schwarzes Auto ein, wird darin zum Set kutschiert, und stirbt in diesem Leichenwagen einen kleinen Tod. Natürlich nur symbolisch. Aber wenn man in eine neue Rolle schlüpfen will, dann muss, das ist ja logisch, das Gewohnte weg.
Dazwischen geht man seelisch ins Hotel.
Auf dem Weg von einem Zustand in den nächsten, ist nämlich Umbau angesagt. Das ist die Zeit, die eine Raupe im Kokon verbringt. Sie löst sich darin übrigens fast vollständig auf. Wird flüssig. Nur ein paar winzige Zellinseln bleiben übrig. Kennt man. Das Gefühl. ;-) Wenn das überhand nimmt, wird es Zeit zum Einchecken.
Manchmal, wenn in meinem Leben sehr viel Wandel ist, (gerade ist sehr viel) gönne ich mir eine Nacht: und miete mich ein.
Bei mir ist gerade so viel Morph. So viel Auslösen, aus alten Rollen. So viel Erarbeitung von neuen. Scheidung, Gründung, neue Liebe, große Liebe. Sehr viel Drama, sehr viel Glück. Da tut das gut. Mal an einem Transitort zu sein. Den Übergang zu zelebrieren.
Es ist die Zeit, in der sich entscheidet, ob man den Wechsel schafft. Ob man die Unsicherheit aushält. Weder die eine, noch die andere sein.
In der Persönlichkeitsarbeit ist es die Zeit, in der sich ein neues Verhalten noch ganz fremd anfühlt. Die neue Rolle hat dann noch keine Substanz. Kann sie auch nicht haben. Die muss durch Gewohnheit erst entstehen. In dieser Zwischenzeit ist die Gefahr am größten, dass man zurück, in alte Rollen fällt. Der Trick ist, der Unsicherheit Raum zu geben. Sie anzunehmen.
Probierseife, Probierduschgel, Probierzeit. Übertrieben viele frische Handtücher, ein zu großes Kopfkissen. Ein Frühstücksbuffet, für das man viel zu früh aufsteht, und dann doch nur einen Kaffee trinkt. Und ein bisschen Mozzarella isst. Ein hartgesteamtes Ei. So fühlt sich das an.
Es hat auch was Tolles, aus aller Sicherheit raus zu sein. Da ist man nahe an der Freiheit dran. Und spürt ihren Preis. Und der zeigt an, was das Alte wert gewesen ist. Die Sicherheit. Auch wenn sie eng geworden ist. Und das ist versöhnlich. Das ist schön. Denn wer wollte etwas loslassen, das wertlos war?
Wir Schauspielende kehren eh zurück. Ins echte Selbst. (Auch das Zurückkommen braucht Zeit.) Im echten Leben will man nicht zurück. Entwicklung guckt nach vorn. Und die braucht Raum, Zeit und Zwischenzeit. Seelisches Hotel.
Man muss dafür kein Zimmer buchen. Manchmal reicht ein Spaziergang, ein Abstand, ein Besuch bei einer Freundin. Hauptsache, man checkt aus zu eng gewordenen Rollen aus.
